Barrierefreie Aufbereitung
Dieser Abschnitt beschreibt die schrittweise barrierefreie Aufbereitung mathematischer Inhalte und berücksichtigt dabei unterschiedliche Nutzungsgruppen und deren Arbeitsweisen (audio, taktil, visuell, oder eine Kombination der dreien). Hierbei sind die Anforderungen blinder und sehbehinderter Personen sehr unterschiedlich, da ihre Arbeitsweisen und technischen Unterstützungsbedarfe stark variieren.
Für die Aufbereitung mathematischer Inhalte betrachten wir zwei Bereiche:
- Formeln benötigen spezifische Kodierungen und Darstellungsformen, damit sie visuell gut lesbar sind, mit einem Screenreader korrekt vorgelesen oder auf der Braillezeile dargestellt werden können.
- Grafiken wie Diagramme oder geometrische Darstellungen müssen so aufbereitet werden, dass die wesentlichen Informationen erhalten bleiben.
Drucktechniken, wie taktile Druckverfahren, ermöglichen die Wiedergabe mathematischer Inhalte in ertastbarer Form. Dabei weisen verschiedene Drucktechniken Vor- und Nachteile auf, z. B. in Bezug auf ihre Präzision und die Praktikabilität für komplexe Grafiken. Eine Besonderheit taktiler Grafiken ist die notwendige Informationsreduktion: Um überflüssige Details zu vermeiden, müssen Inhalte auf das Wesentliche beschränkt, durch Legenden ergänzt und teilweise mit Beschreibungen in digitalen Dokumenten kombiniert werden.
Bildbeschreibungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle, wobei sie je nach Kontext variiert werden können: Für das Lernen bietet eine beschreibende Interpretation Vorteile, während bei Prüfungen in der Regel eine präzise Beschreibung ohne Interpretation wichtig ist, um Chancengleichheit zu gewährleisten.
Darüber hinaus kann der Einsatz von 3D-Modellen, hergestellt durch 3D-Druckverfahren, die Wahrnehmung mathematischer Konzepte wie komplexe Körper oder Funktionsgraphen erleichtern. Dies eröffnet neue Möglichkeiten, mathematische Inhalte barrierefrei zu gestalten. Die schrittweise Anwendung dieser Techniken hilft, den Zugang zu mathematischen Inhalten für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen nachhaltig zu verbessern.
Vor- und Nachteile verschiedener Dateiformate in Bezug auf barrierefreies Lesen und Arbeiten
Die Wahl des richtigen Dateiformats ist entscheidend, um barrierefreie Inhalte bereitzustellen, da verschiedene Formate unterschiedliche Anforderungen und Nutzungsmöglichkeiten bieten. Im Folgenden werden die wichtigsten Vor- und Nachteile der gängigsten Formate beleuchtet:
PDF
Vorteile:
- Aktueller Standard für die Dokumentenweitergabe für gedruckte Dokumente.
- Mit dem PDF/UA-Standard können barrierefreie Inhalte erstellt werden, einschließlich strukturierter Inhalte, Alternativtexte und Navigationshilfen.
- Plattformübergreifend lesbar und oft visuell gut gestaltet.
Nachteile:
- Trotz PDF/UA ist die Navigation mit Screenreadern nicht so komfortabel wie beispielsweise mit Word.
- Eher statisch und daher wenig geeignet für interaktive Bearbeitungs- oder Anpassungsaufgaben.
- Anpassungen wie Schriftgrößen- oder Kontrasteinstellungen sind eingeschränkt.
Microsoft Word (DOCX)
Vorteile:
- Weit verbreitet und bearbeitbar, was eine einfache Anpassung an individuelle Bedürfnisse ermöglicht.
- Unterstützt Barrierefreiheitsfunktionen wie Navigation im Dokument durch Überschriften, Alternativtexte und strukturierte Inhalte.
- Kompatibel mit Screenreadern und für sehbehinderte Nutzende leicht anpassbar (z. B. Schriftgröße, Kontrast).
Nachteile:
- Abhängig von der installierten Softwareversion manchmal inkompatibel auf verschiedenen Plattformen.
- Nicht optimal für langfristige Archivierung oder plattformübergreifendes Lesen.
HTML
Vorteile:
- Hochflexibel und ideal für barrierefreie Webinhalte, die dynamisch und interaktiv sein können.
- Anpassbar an verschiedene Geräte, mit integrierter Unterstützung für Screenreader und andere Hilfsmittel.
- Unterstützt strukturierte Inhalte, Alternativtexte und dynamische Anpassungen (z. B. Zoom).
Nachteile:
- Hängt von der korrekten Codierung ab, da schlecht strukturierter HTML-Code Barrieren schaffen kann.
- Offline-Nutzung erfordert zusätzliche Software oder Konvertierung.
- Kein Container-Format, d.h. ergänzende Bilder können beim Kopieren verloren gehen.
EPUB
Vorteile:
- Speziell für E-Books entwickelt und optimiert für barrierefreie Nutzung auf mobilen Geräten.
- Unterstützt dynamisches Layout, das sich an verschiedene Bildschirmgrößen und Nutzungsanforderungen (z. B. Schriftgröße, Farben) anpasst.
- Ermöglicht die Integration von Screenreader-kompatiblen Alternativtexten und Navigationselementen.
- Alle Vorteile von HTML.
Nachteile:
- Kompatibilität hängt von der E-Reader-Software ab; nicht alle Reader unterstützen Barrierefreiheitsstandards gleich gut.
- Erfordert oft zusätzliche Software zum Bearbeiten oder Anpassen.
LaTeX
Vorteile:
- International genutzt, besonders in wissenschaftlichen Kontexten, und für blinde Nutzende als lineare Darstellung geeignet.
- Ermöglicht die Ausgabe in verschiedenen Formaten (z. B. PDF, HTML) und unterstützt strukturierte Inhalte.
Nachteile:
- Sehbehinderte oder blinde Nutzende benötigen eine spezielle Schulung, um den Code von LaTeX-Dateien zu verstehen.
- Keine native Unterstützung für interaktive Anpassungen oder barrierefreie Lesemodi.
- Enthalten häufig sehr viele optische Zusatzelemente im Text, die ein Lesen bzw. Vorlesen mit assistiven Techniken schwierig macht.
Fazit
Die Wahl des Formats hängt von der Zielgruppe und dem Zweck des Dokuments ab. Für rein lesende Nutzende sind EPUB oder HTML optimal, da sie dynamisch und anpassbar sind. PDF eignet sich für plattformübergreifende Verteilung, hat jedoch Einschränkungen in der Barrierefreiheit. Word bleibt die flexibelste Wahl für Dokumente, die sowohl gelesen als auch bearbeitet werden sollen.